Archiv der Kategorie: Mut machen

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Ayse Bosse & Andreas Klammt: „Einfach so weg“

Ayse Bosse: Einfach nur weg

Ayse Bosse, Einfach so weg © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2018

Ein empfehlenswertes Buch, nicht nur für Jugendliche, zum Abschiednehmen, Loslassen und Festhalten.

Im April war die Autorin Ayse Bosse zu Besuch bei uns im Hospiz e. V. Bethel. Dabei hat Sie u. a. auch Ihr Buch „Einfach so weg“ vorgestelt, dass sie zusammen mit Andreas Klammt im Carlsen Verlag veröffentlicht hat.

Ein Gedicht als Kostprobe, S 17:

An einem Tag wie jedem anderen
bist du morgens gegangen
So wie du an jedem Morgen gingst
Nachdem du die Milch von den Cornflakes trinkst
Wir haben uns nicht mal Tschüss gesagt
Denn da haben wir ja noch nichts geahnt

Nun sagen alle, dass ich stark bin
Doch das sagen alle, die nicht da sind
Wenn mich die Leere in mir um den Schlaf bringt
Wenn mich die leere draußen durch den Tag bringt

Einfach so weg
Du bist einfach so weg
Und doch immer da

(Text und Bild mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlages, Sarah Zeus, Bonnier Media Deutschland GmbH, 26.10.2018)

Jeder darf traurig sein. Viele erleben einen Verlust und werden konfrontiert mit intensivsten Gefühlen von Leere, Angst, Vermissen, Einsamkeit und Wut. Viele haben niemanden, um dies zu teilen. Dieses Buch wurde extra mit Jugendlichen für Jugendliche konzipiert. Mit Kurzgeschichten, Liedtexten, Gedichten, Comics, Kreativ-Seiten und viel Platz für eigene Gedanken.

Das Buch enthält einen extra dafür geschriebenen Song von Bosse, Prinz Pi und Stefanie Kloß (Silbermond) zum download im Buch.

 

 

Die Erde braucht Trauernde

„Gesegnet sind die Trauer tragen. – Wenn die Toten sich ausruhen vom Totsein, dann stehen sie auf und singen – dieser Satz findet sich in einer alten und weisen Trauerbegleitung. Die Verstorbenen sind nicht so weit weg, dass sie nicht zum Singen kommen könnten.

Zwischen Tod und Leben gibt es eine schmerzliche Lücke, aber keine eiserne Tür, die nur in eine Richtung zu durchschreiten wäre. Beide Welten sind durchlässig. Lebende und Verstorbene können gemeinsam ihre Stimmen erheben und da sein. Doch wer vermag diesen Zusammenklang zu hören? Die Trauernden auf dieser Erde haben ‚Organe‘, mit denen sie hören, was kein Ohr sonst zu hören vermag. Sie haben Augen, mit denen sie wahrnehmen, was kein Auge je gesehen. Gesegnet sind die Trauernden, denn diese Erde braucht sie.“

Diesen Text entwarf Wolfgang Teichert, Pastor und ehemaliger Vorsitzender als Leitgedanken für die Arbeit des Instituts für Trauerarbeit (ITA) e.V.
Veröffentlichung auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung des ITA e. V.

November-Morgen

An einem klaren, kalten, aber sonnigen Novembermorgen
am Grab stehend,
Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre danach,
allein da sein,
sich erinnern, wie wir damals in der Frühlingssonne
am offenen Grab gestanden haben,
damals,
noch ganz befangen in der Trauer des Augenblicks,
und erkennen nicht die ganze Tragweite.
An einem ruhigen, kalten und sonnigen
Novembermorgen noch einmal da stehen.
Ein Grabstein,
ein umpflanztes Feld.
Und ich stelle die bepflanzte Blumenschale ab,
winterfest bepflanzt.
Rauhreif wird kommen,
sich auf die Nadeln senken
wie Kristalle und weißer Staub.
Ich bin gern allein da,
allein, ohne einsam zu sein,
weil ich Zeit habe,
meinen Erinnerungen zu begegnen,
mit ihnen zu reden, leise, ganz leise,
die zarte Sprache der Erinnerungen.
Den Namen noch einmal sagen,
die dürren Worte auf dem Grabstein,
wie die Anrede eines Briefes,
geschrieben an die Erinnerung,
die Daten lesen,
sich an Geburtstage erinnern,
damals immer im Winter,
festlich, manchmal etwas steif.
Manchmal herzlich und fröhlich,
auch anstrengend manchmal,
manchmal heiter.
Und auch der Todestag, damals,
und wie wir alle zusammenrückten,
die Umarmungen noch spüren und die Tränen,
die Zeit bleibt stehen,
die Jahre sind vergangen.
Das Datum bleibt,
aufgehoben, behütet, bewahrt,
auch, wenn es wehtat, loszulassen.
Auch meine Daten werden einmal stehen,
ein Anfang, und jedes Jahr neu ein guter Tag.
Und auch ein Ende.
Wer wird dann stehen, Jahre später,
die Daten betrachten,
an einem ruhigen, kalten und sonnigen
Novembermorgen, wieder da stehen?
Ein Grabstein,
ein umpflanztes Feld, sonnenbeschienen.
Grenzen und Strahlen,
beides.

Atlantik Madeira CH

Grenzen und Strahlen, beides.

Quelle

Michael Schibilsky, Trauerwege, Patmos Verlag, 1996, 5. Auflage, S. 268f

Nach Rücksprache mit dem Patmos Verlag: Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Christel Schibilski als Inhaberin der Urheberrechte. Bielefeld, 09.11.2016

Irischer Segen

Kraniche Lippstadt

10.02.2015: die ersten Kraniche kommen zurück.

Vergiss die Träume nicht, wenn die Nacht wieder über dich hereinbricht
und die Dunkelheit dich wieder gefangen zu nehmen droht.
Noch ist nicht alles verloren.
Deine Träume und deine Sehnsüchte tragen Bilder der Hoffnung in sich.
Deine Seele weiß, dass in der Tiefe Heilung schlummert
und bald in dir ein neuer Tag erwacht.

Ich wünsche dir,
dass du die Zeiten der Einsamkeit nicht als versäumtes Leben erfährst,
sondern dass du beim Hineinhorchen in dich selbst
noch Unerschlossenes entdeckst.

Ich wünsche dir,
dass dich all das Unerfüllte in deinem Leben
nicht erdrückt, sondern dass du dankbar sein kannst
für das, was dir an Schönem gelingt.

Ich wünsche dir,
dass all deine Traurigkeiten nicht vergeblich sind,
sondern dass du aus der Berührung mit deinen Tiefen
auch Freude wieder neu erleben kannst.

Das wünschen auch wir vom Trauer-Netzwerk Bielefeld allen, die einen Tod im Familien- oder Freundeskreis zu bewältigen haben. Hier finden Sie aktuelle Angebote, die auf diesem Weg weiterhelfen können.

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Es liegt bei dir

Du kannst drüber weinen, dass er gegangen ist,
oder du kannst lächeln, weil er gelebt hat.
Du kannst die Augen schließen und beten,
dass er wieder kommt oder Du kannst sie öffnen und sehen,
was er zurück gelassen hat.
Dein Herz kann leer sein, weil Du ihn nicht sehen kannst
oder es kann voll der Liebe sein, die er für Dich und andere hatte.
Du kannst weinen und ganz leer sein oder Du kannst tun,
was er von Dir wollte,
dass Du lächelst, Deine Augen öffnest, Liebe gibst und weiterlebst.

CH Lippe Spiegelbild

Du kannst drüber weinen, dass sie gegangen ist,
oder du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.
Du kannst die Augen schließen und beten,
dass sie wieder kommt oder Du kannst sie öffnen und sehen,
was sie zurück gelassen hat.
Dein Herz kann leer sein, weil Du sie nicht sehen kannst
oder es kann voll der Liebe sein, die sie für Dich und andere hatte.
Du kannst weinen und ganz leer sein oder Du kannst tun,
was sie von Dir wollte,
dass Du lächelst, Deine Augen öffnest, Liebe gibst und weiterlebst.

(Verfasser unbekannt)

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Jörg Zink: Wichtig ist …

CH: Lippe bei LippstadtEs mag durchaus sein,
dass dir hier auf der Erde
noch mehr zugedacht ist,
Neues und anderes, als du jetzt erkennst.
Aber das ist jetzt nicht wichtig.
Wichtig ist, dass du nicht meinst,
die Sonne sei untergegangen.
Sie leuchtet nur anders und in einem anderen Raum.

Wichtig ist, was in dir selbst geschieht.
Deine Liebe will das Tägliche nicht schwächer,
sondern stärker prägen als früher
– so, dass du das Leid der Menschen besser verstehst
und ein neues, warmes Leben für dich beginnt.

Wichtig ist, dass du nicht karg wirst.
Viele brauchen, was in dir aus der Trauer an Hilfe wächst,
sie brauchen deine Erfahrung und deinen Frieden.
Die Erde und alle Menschen brauchen den Trost,
der von den Trauernden ausgehen kann.

Jörg Zink: „Trauer hat heilende Kraft“
Freiburg i.Br.: Verlag Herder, 2014 (S. 43)

Erhältlich im lokalen Buchhandel oder online z. B. direkt bei Herder oder bei JPC.