Archiv der Kategorie: Mut machen

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Die Erde braucht Trauernde

„Gesegnet sind die Trauer tragen. – Wenn die Toten sich ausruhen vom Totsein, dann stehen sie auf und singen – dieser Satz findet sich in einer alten und weisen Trauerbegleitung. Die Verstorbenen sind nicht so weit weg, dass sie nicht zum Singen kommen könnten.

Zwischen Tod und Leben gibt es eine schmerzliche Lücke, aber keine eiserne Tür, die nur in eine Richtung zu durchschreiten wäre. Beide Welten sind durchlässig. Lebende und Verstorbene können gemeinsam ihre Stimmen erheben und da sein. Doch wer vermag diesen Zusammenklang zu hören? Die Trauernden auf dieser Erde haben ‚Organe‘, mit denen sie hören, was kein Ohr sonst zu hören vermag. Sie haben Augen, mit denen sie wahrnehmen, was kein Auge je gesehen. Gesegnet sind die Trauernden, denn diese Erde braucht sie.“

Diesen Text entwarf Wolfgang Teichert, Pastor und ehemaliger Vorsitzender als Leitgedanken für die Arbeit des Instituts für Trauerarbeit (ITA) e.V.

November-Morgen

An einem klaren, kalten, aber sonnigen Novembermorgen
am Grab stehend,
Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre danach,
allein da sein,
sich erinnern, wie wir damals in der Frühlingssonne
am offenen Grab gestanden haben,
damals,
noch ganz befangen in der Trauer des Augenblicks,
und erkennen nicht die ganze Tragweite.
An einem ruhigen, kalten und sonnigen
Novembermorgen noch einmal da stehen.
Ein Grabstein,
ein umpflanztes Feld.
Und ich stelle die bepflanzte Blumenschale ab,
winterfest bepflanzt.
Rauhreif wird kommen,
sich auf die Nadeln senken
wie Kristalle und weißer Staub.
Ich bin gern allein da,
allein, ohne einsam zu sein,
weil ich Zeit habe,
meinen Erinnerungen zu begegnen,
mit ihnen zu reden, leise, ganz leise,
die zarte Sprache der Erinnerungen.
Den Namen noch einmal sagen,
die dürren Worte auf dem Grabstein,
wie die Anrede eines Briefes,
geschrieben an die Erinnerung,
die Daten lesen,
sich an Geburtstage erinnern,
damals immer im Winter,
festlich, manchmal etwas steif.
Manchmal herzlich und fröhlich,
auch anstrengend manchmal,
manchmal heiter.
Und auch der Todestag, damals,
und wie wir alle zusammenrückten,
die Umarmungen noch spüren und die Tränen,
die Zeit bleibt stehen,
die Jahre sind vergangen.
Das Datum bleibt,
aufgehoben, behütet, bewahrt,
auch, wenn es wehtat, loszulassen.
Auch meine Daten werden einmal stehen,
ein Anfang, und jedes Jahr neu ein guter Tag.
Und auch ein Ende.
Wer wird dann stehen, Jahre später,
die Daten betrachten,
an einem ruhigen, kalten und sonnigen
Novembermorgen, wieder da stehen?
Ein Grabstein,
ein umpflanztes Feld, sonnenbeschienen.
Grenzen und Strahlen,
beides.

Atlantik Madeira CH

Grenzen und Strahlen, beides.

Quelle

Michael Schibilsky, Trauerwege, Patmos Verlag, 1996, 5. Auflage, S. 268f

Nach Rücksprache mit dem Patmos Verlag: Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Christel Schibilski als Inhaberin der Urheberrechte. Bielefeld, 09.11.2016

Irischer Segen

Kraniche Lippstadt

10.02.2015: die ersten Kraniche kommen zurück.

Vergiss die Träume nicht, wenn die Nacht wieder über dich hereinbricht
und die Dunkelheit dich wieder gefangen zu nehmen droht.
Noch ist nicht alles verloren.
Deine Träume und deine Sehnsüchte tragen Bilder der Hoffnung in sich.
Deine Seele weiß, dass in der Tiefe Heilung schlummert
und bald in dir ein neuer Tag erwacht.

Ich wünsche dir,
dass du die Zeiten der Einsamkeit nicht als versäumtes Leben erfährst,
sondern dass du beim Hineinhorchen in dich selbst
noch Unerschlossenes entdeckst.

Ich wünsche dir,
dass dich all das Unerfüllte in deinem Leben
nicht erdrückt, sondern dass du dankbar sein kannst
für das, was dir an Schönem gelingt.

Ich wünsche dir,
dass all deine Traurigkeiten nicht vergeblich sind,
sondern dass du aus der Berührung mit deinen Tiefen
auch Freude wieder neu erleben kannst.

Das wünschen auch wir vom Trauer-Netzwerk Bielefeld allen, die einen Tod im Familien- oder Freundeskreis zu bewältigen haben. Hier finden Sie aktuelle Angebote, die auf diesem Weg weiterhelfen können.

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Es liegt bei dir

Du kannst drüber weinen, dass er gegangen ist,
oder du kannst lächeln, weil er gelebt hat.
Du kannst die Augen schließen und beten,
dass er wieder kommt oder Du kannst sie öffnen und sehen,
was er zurück gelassen hat.
Dein Herz kann leer sein, weil Du ihn nicht sehen kannst
oder es kann voll der Liebe sein, die er für Dich und andere hatte.
Du kannst weinen und ganz leer sein oder Du kannst tun,
was er von Dir wollte,
dass Du lächelst, Deine Augen öffnest, Liebe gibst und weiterlebst.

CH Lippe Spiegelbild

Du kannst drüber weinen, dass sie gegangen ist,
oder du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.
Du kannst die Augen schließen und beten,
dass sie wieder kommt oder Du kannst sie öffnen und sehen,
was sie zurück gelassen hat.
Dein Herz kann leer sein, weil Du sie nicht sehen kannst
oder es kann voll der Liebe sein, die sie für Dich und andere hatte.
Du kannst weinen und ganz leer sein oder Du kannst tun,
was sie von Dir wollte,
dass Du lächelst, Deine Augen öffnest, Liebe gibst und weiterlebst.

(Verfasser unbekannt)

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Jörg Zink: Wichtig ist …

CH: Lippe bei LippstadtEs mag durchaus sein,
dass dir hier auf der Erde
noch mehr zugedacht ist,
Neues und anderes, als du jetzt erkennst.
Aber das ist jetzt nicht wichtig.
Wichtig ist, dass du nicht meinst,
die Sonne sei untergegangen.
Sie leuchtet nur anders und in einem anderen Raum.

Wichtig ist, was in dir selbst geschieht.
Deine Liebe will das Tägliche nicht schwächer,
sondern stärker prägen als früher
– so, dass du das Leid der Menschen besser verstehst
und ein neues, warmes Leben für dich beginnt.

Wichtig ist, dass du nicht karg wirst.
Viele brauchen, was in dir aus der Trauer an Hilfe wächst,
sie brauchen deine Erfahrung und deinen Frieden.
Die Erde und alle Menschen brauchen den Trost,
der von den Trauernden ausgehen kann.

Jörg Zink: „Trauer hat heilende Kraft“
Freiburg i.Br.: Verlag Herder, 2014 (S. 43)

Erhältlich im lokalen Buchhandel oder online z. B. direkt bei Herder oder bei JPC.

 

Im Auf und Ab meines Lebens

Berg und Tal (CH 2013)Ich schaue zurück
auf die Spur meines Lebens,
folge dem Auf und Ab,
den Biegungen und Kreuzungen,
verweile bei Menschen und Ereignissen,
die mich geprägt haben.

Wie bin ich hierher gekommen?
Wer gab mir Kraft und Mut,
Altes zu verlassen und Neues zu wagen,
Schwierigkeiten zu überwinden,
in der Wüste Wasser zu suchen
und im Dunkel auf das Licht zu hoffen?

Du bist es, mein Gott, der mich zum Leben rief.
Du bist es, der mich führte und stärkte.
Du hörtest mein Rufen
und holtest mich aus der Tiefe heraus.

Für Augenblicke verbargst du dein Antlitz,
vergaßest mich scheinbar,
ließest mich im Dunkeln allein.

Doch nach jeder Nacht der Angst
kam ein Morgen mit neuer Verheißung,
und du schenktest mir neues Leben.

Ich weiß jetzt:
Deine Güte ist immer bei mir,
du begleitest mich ein Leben lang.
Darum danke ich dir, mein Gott,
aus ganzem Herzen
und mit all meinen Kräften. Amen.

Nach Psalm 30 von Lotti Brun