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Du hast ein Recht auf deine Trauer

StrandbildDu darfst dich deinen Verlusten widmen,
musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.

Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit,
Du musst nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.

Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.

Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.

Du hast ein Recht, dich zu wehren
gegen die, die dir sagen
was du fühlen darfst und was nicht,
die dich nicht als einzelnen,
sondern als Fall behandeln
und sich innerlich nicht wirklich
mit dir einlassen.

Vielleicht macht dich nichts so menschlich
wie deine Trauer.
Über sie kann ein Trauernder sich dir nähern
und auf Verständnis hoffen.
Trauern zu können ist eine Gabe.
Lass dir das Recht auf deine Trauer nicht nehmen

Ullrich Schaffer, „Grundrechte – ein Manifest“

Text-/Bildredaktion: Alexandra Müller, Koordination Hospizarbeit im Bielefelder Süden

Du kannst…

SonneDu kannst Tränen vergießen, weil er gegangen ist
oder du kannst lächeln, weil er gelebt hat.
Du kannst Deine Augen schließen und beten,
dass er zurückkommen wird
oder Du kannst Deinen Augen öffnen und
sehen was von ihm geblieben ist.
Dein Herz kann leer sein,
weil Du ihn nicht mehr sehen kannst
oder es ist voll von der Liebe, die er mit Dir geteilt hat.
Du kannst dem Morgen den Rücken drehen
und im Gestern leben
oder Du kannst dankbar für das Morgen sein,
eben weil Du das Gestern gehabt hast.
Du kannst immer nur daran denken,
dass er nicht mehr da ist
oder Du kannst die Erinnerungen an ihn pflegen
und sie in Dir weiterleben lassen.
Du kannst weinen und Deinen Geist verschließen,
leer sein und Dich abwenden
oder Du kannst tun was er wünschen würde:
lächeln, die Augen öffnen, lieben und weitermachen…

(Autor unbekannt)

Text-/Bildredaktion: Alexandra Müller, Koordination Hospizarbeit im Bielefelder Süden

Ayse Bosse & Andreas Klammt: „Einfach so weg“

Ayse Bosse: Einfach nur weg

Ayse Bosse, Einfach so weg © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2018

Ein empfehlenswertes Buch, nicht nur für Jugendliche, zum Abschiednehmen, Loslassen und Festhalten.

Im April war die Autorin Ayse Bosse zu Besuch bei uns im Hospiz e. V. Bethel. Dabei hat Sie u. a. auch Ihr Buch „Einfach so weg“ vorgestelt, dass sie zusammen mit Andreas Klammt im Carlsen Verlag veröffentlicht hat.

Ein Gedicht als Kostprobe, Seite 17:

An einem Tag wie jedem anderen
bist du morgens gegangen
So wie du an jedem Morgen gingst
Nachdem du die Milch von den Cornflakes trinkst
Wir haben uns nicht mal Tschüss gesagt
Denn da haben wir ja noch nichts geahnt

Nun sagen alle, dass ich stark bin
Doch das sagen alle, die nicht da sind
Wenn mich die Leere in mir um den Schlaf bringt
Wenn mich die Leere draußen durch den Tag bringt

Einfach so weg
Du bist einfach so weg
Und doch immer da

(Text und Bild mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlages, Sarah Zeus, Bonnier Media Deutschland GmbH, 26.10.2018)

Jeder darf traurig sein. Viele erleben einen Verlust und werden konfrontiert mit intensivsten Gefühlen von Leere, Angst, Vermissen, Einsamkeit und Wut. Viele haben niemanden, um dies zu teilen. Dieses Buch wurde extra mit Jugendlichen für Jugendliche konzipiert. Mit Kurzgeschichten, Liedtexten, Gedichten, Comics, Kreativ-Seiten und viel Platz für eigene Gedanken.

Das Buch enthält einen extra dafür geschriebenen Song von Bosse, Prinz Pi und Stefanie Kloß (Silbermond) zum download im Buch.

 

 

Irischer Segen

Kraniche Lippstadt

10.02.2015: die ersten Kraniche kommen zurück.

Vergiss die Träume nicht, wenn die Nacht wieder über dich hereinbricht
und die Dunkelheit dich wieder gefangen zu nehmen droht.
Noch ist nicht alles verloren.
Deine Träume und deine Sehnsüchte tragen Bilder der Hoffnung in sich.
Deine Seele weiß, dass in der Tiefe Heilung schlummert
und bald in dir ein neuer Tag erwacht.

Ich wünsche dir,
dass du die Zeiten der Einsamkeit nicht als versäumtes Leben erfährst,
sondern dass du beim Hineinhorchen in dich selbst
noch Unerschlossenes entdeckst.

Ich wünsche dir,
dass dich all das Unerfüllte in deinem Leben
nicht erdrückt, sondern dass du dankbar sein kannst
für das, was dir an Schönem gelingt.

Ich wünsche dir,
dass all deine Traurigkeiten nicht vergeblich sind,
sondern dass du aus der Berührung mit deinen Tiefen
auch Freude wieder neu erleben kannst.

Das wünschen auch wir vom Trauer-Netzwerk Bielefeld allen, die einen Tod im Familien- oder Freundeskreis zu bewältigen haben. Hier finden Sie aktuelle Angebote, die auf diesem Weg weiterhelfen können.

Haben Sie einen Mut machenden Spruch, ein Bild oder Gedicht entdeckt, dass Sie uns für unsere Leser zur Verfügung stellen möchten? Wir freuen uns auf eine Rückmeldung.